Station 2 | Freunde finden!


Kamil will heute nicht so recht: schon seit einer halben Stunde muss Malika ihn an der rauen Zugleine führen. Es wird langsam Abend und der Himmel ist schon tintenblau. Immer wieder schaut Kamil zum Horizont: ob der seltsame Stern auch heute Abend wieder da sein wird? 

Auch Malika ist verwundert: seit sie losgezogen sind strahlt der Stern Nacht für Nacht am Horizont. Sterne am Nachthimmel sind ja nicht ungewöhnlich. Aber dieser hier ist schon etwas Besonderes: er hat einen feurig- glitzernden Schweif und ist viel größer und heller als andere Sterne . Malika kann ihn auch dann noch sehen, wenn alle anderen Sterne längst in die Morgendämmerung getaucht sind und auch am späten Nachmittag ist ihr Stern der erste, der am Himmel steht.
Vor einigen Tagen hat Malika einem Gespräch gelauscht: am Feuerplatz neben dem Zelt  sprach ihr Vater mit seinem Freund Hakim. Er dachte, Malika schlafe schon lange, aber das Mädchen lag noch wach auf seinen Kissen. „Wir sollten tun, was König Melchior und dein Herr, König Balthasar, sagen: wir sollten dem Stern folgen.“, hörte Malika ihren Vater sagen. „Schließlich kennt dein Herr sich aus in der Kunst der Sterndeutung.“ Hakim seufzte: „Sicher. Aber unsere Waren müssen auch rechtzeitig in Jerusalem sein. Wenn nun der Stern in eine andere Richtung zeigt?“
Malika konnte nun noch weniger gut schlafen: einem Stern folgen? Was sollte das denn nun heißen? Sie wollten doch nach Jerusalem, um dort ihre Waren zu verkaufen und andere Waren einzukaufen. Nein, dass man wegen eines Sternes vielleicht die Richtung wechseln sollte, das fand Malika nun doch sehr merkwürdig.
Kamil bleibt schon wieder stehen. Malika zieht an der rauen Leine: „Kamil, jetzt stell dich nicht so an. Es ist ja nicht mehr weit und im Nachtlager kannst du ruhen bis morgen früh.“ Doch Kamil trabt unruhig auf der Stelle. Er bläht die Nase und schnaubt. Malika versteht: „Hörst du jemanden kommen? Ist jemand in der Nähe, den du nicht kennst?“ Während sie noch auf Kamil einredet und sein Glöckchenband zu recht zieht, kommt ein großer Hütehund laut bellend über eine Sanddüne auf die Karawane zu gerannt. Hinter ihm laufen, so schnell er kann, Wakur, der alte Hirt und sein Enkel Amir, dem die ganze Schafherde folgt. „Djadi, Djaaaadiii! Bleib stehen!“, ruft Amir. Doch der Hund ist aufgeregt: er bellt und springt zwischen den Beinen der Kamele herum. Die großen Tiere werden unruhig und Malika hat Mühe, Kamil auf dem rechten Weg zu halten. Was ist denn nun los?
„Malika“, ruft Amir. Die Kinder kennen sich, denn mit seinen Herden legen Wakur und Amir große Strecken zurück und waren schon öfter vor den Toren von Malikas Heimatstadt. „Malika, was ist das am Himmel?“ Amir hat den Stern wohl auch gesehen. Malika zuckt die Schultern: „Ich weiß es auch nicht so genau. Ein Stern. Ein besonderer Stern, dem wir folgen, obwohl wir nicht wissen, wohin es uns dann führt.“ Malika zupft etwas ratlos eine Haarsträhne unter ihrem Kopftuch heraus und fängt an, sie zwischen den Fingern zu zwirbeln. Amir kaut an seinem Daumennagel. Schließlich zuckt er die Schultern und sagt: „Wir folgen auch dem Stern, obwohl wir gar nicht genau wissen, warum. Aber die Tiere zieht es immer in die Richtung, in der der Stern erscheint und Wakur hat Mühe, die Herde zusammen zu halten. Wie gut, dass er Djadi und mich hat, wir helfen ihm.“ Als hätte er es gehört, springt Djadi auf Amir zu wälzt sich im Staub von den Füßen des Jungen und lässt sich von Amir kraulen. Kamil reibt seine Stirn an Malikas Schulter und pustet ihr in den Nacken. Malika muss lachen: „Kamil, du bist eifersüchtiger und sturer als ein Esel!“, sie dreht sich etwas um und krault Kamils Zottelbauch.
So merkwürdig der Stern auch sein mag, er hat etwas Gutes. Ab sofort werden Amir und Malika nämlich gemeinsam reisen, denn sie haben das gleiche Ziel. Sofort springt Malika auf und zerrt ihr Schlafkissen aus dem Berg der Rastmaterialien, die Daoud zwischenzeitlich von den Kamelrücken abgeladen hat. „Wir können nebeneinander schlafen und den Stern beobachten, Amir. Vielleicht werden wir auch mal große Sterndeuter wie König Balthasar!“
In dieser Nacht schlafen die Kinder erst spät ein: es gibt viel zu viel zu sehen und zu erzählen. Eine Reise ist schließlich eine spannende Sache, egal, ob man mit einer Schafherde oder einer Karawane unterwegs ist. Wer weiß, was sie noch alles erleben werden…

 

Textsammlung

 01_Aufbrechen.pdf
     Filesize: 89.2 kB

 02_Freunde finden.pdf
     Filesize: 93.5 kB

 03_Sehnsucht haben.pdf
     Filesize: 88.7 kB

 04_Zweifeln.pdf 
     Filesize: 94.9 kB

 05_Ankommen_Krippenspiel.pdf
     Filesize: 119.2 kB

 

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